Schwarzer Protest

Keine Frau macht sich die Entscheidung für eine Abtreibung leicht. Dabei spielen nicht nur die eigenen Wünsche, Gefühle und Moralvorstellungen eine Rolle, sondern auch der Druck von außen. Für viele Menschen ist die Abtreibung immer noch ein Tabu, auch in Gesellschaften, in denen die Abtreibung rein rechtlich erlaubt ist.

Allerdings leben wir im 3. Jahrtausend, gerade Europa gilt oft als liberales Vorzeigebeispiel für Entscheidungsfreiheit. Und doch gibt es gerade ganz viele Tendenzen in eine Gegenrichtung. Das lässt sich in vielen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft erkennen; der Weg, den Polen allerdings aktuell einschlägt, ist meiner Meinung nach ein ganz akuter. Schon jetzt ist das polnische Abtreibungsrecht so scharf wie fast nirgendwo sonst in Europa und auch seit Jahrzehnten ein heftig umstrittenes Thema.

© APA/AP/Czarek Sokolowski

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Zehntausende polnische Frauen haben heute in schwarzer Kleidung gegen ein drohendes Abtreibungsverbot protestiert. Trotz starken Regens versammelten sich mindestens 22.000 Menschen zum „Schwarzen Protest“ („Czarny protest“) in der Warschauer Innenstadt, weitere Protestkundgebungen und -märsche gab es unter anderem in Breslau, Krakau, Posen und Stettin. Zu der landesweiten Aktion hatten Fraueninitiativen in Sozialen Netzwerken aufgerufen.

Der Protest richtet sich gegen einen umstrittenen Gesetzesentwurf der Bürgerinitiative „Stop Aborcji“ („Stoppt Abtreibungen“). Auf Initiative dieses Bürgerkomitees war vergangene Woche im Parlament ein Gesetzesentwurf für ein praktisch vollständiges Verbot von Abtreibung eingebracht und anschließend in erster Lesung genehmigt worden. Schwangerschaftsabbrüche sollen künftig nur noch erlaubt sein, wenn das Leben der Schwangeren unmittelbar bedroht ist. Die neue Gesetzesinitiative sieht vor, dass sowohl die ausführenden Ärzte wie die betroffenen Frauen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden können. Im Parlament, das von der regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) beherrscht wird, steht eine große Mehrheit hinter der Initiative.

Doch die Menschen wehren sich – und das ist auch gut so. Auch ich bin der Meinung, dass eine Schwangerschaft nicht leichtfertig beendet werden soll. Nur weil es die Möglichkeit der Abtreibung gibt, heißt das nicht, dass Verhütung keine Rolle spielt. Aber ich glaube auch, dass wir als aufgeklärte Menschen in einer liberalen Zeit selbst über unsere Körper bestimmen sollten. Tausende von Frauen haben während des letzten Jahrhunderts dafür gekämpft eine Wahl zu haben – dieses Recht darf jetzt nicht leichtfertig mit Füßen getreten und durch neue Gesetze genommen werden. In diesem Sinne: #CzarnyProtest

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