Dreidimensionalität in der Kunst

So sehr mein Herz mittlerweile für das (Sprech-)Theater schlägt, so bewusst ist mir auch, dass mein Kulturinteresse eigentlich mit bildender Kunst begonnen hat. Vermutlich hatte es mit einer grandiosen Kandinsky-Ausstellung zu tun, dass meine Alternative, wenn ich nicht an der FH Krems nach meiner Matura genommen worden wäre, ein Kunstgeschichte-Studium gewesen wäre. Als ich dann Jahre später selbst im Leopold Museum in Wien gearbeitet habe, gab es eine Ausstellung als Leihgabe der Fondation Beyeler aus Basel, in der mich erstmals dreidimensionale Kunst unglaublich berührt hat – damals in Form von Giacometti-Skulpturen. Seither gab es immer ein besonderes Interesse meinerseits an plastischer Kunst (allein während meines letzten Louvre-Besuches in Paris im Juni hab ich mehr Zeit bei den antiken Skulpturen verbracht als in jeder anderen Abteilung) und somit durfte ich mir natürlich auch die aktuell laufende Ausstellung „Picasso. Sculptures“ im Brüsseler BOZAR nicht entgehen lassen, die ich heute besucht habe.

imag0905In Zusammenarbeit mit dem Pariser Picasso-Museum zeigt das BOZAR mehr als 80 Skulpturen, die die Schaffenskraft eines Künstlers zeigen, der unter Verwendung unterschiedlichster Materialien immer wieder seinen Innovationsgeist unter Beweis stellte. Die Skulpturen treten in einen Dialog mit Gemälden, Keramikarbeiten, Fotografien und Kunstgegenständen aus der Picasso-Privatsammlung. Und so wirft die Ausstellung einen neuen und sehr persönlichen Blick auf einen weniger bekannten Aspekt des Werks des Künstlers.

Doch warum fasziniert mich gerade plastische Kunst so sehr? Pablo Picasso selbst hat gesagt Sculpture is the best comment that a painter can make on painting.“. Und damit hat er vermutlich Recht. An sich bezeichnet plastische oder Bildhauerkunst die Gattung der bildenden Kunst, in der aus festen Stoffen bestehende, dreidimensionale Bildwerke geschaffen wurden und werden. Gerade diese Dreidimensionalität ist es vermutlich auch, was mich so unglaublich fasziniert. Jeder Blickwinkel, wenn man ein Werk umkreist, eröffnet neue Horizonte, neue Einblicke werden gewährt, neue Bedeutungen erkannt, neue Interpretationen formuliert. So fesselnd auch Gemälde sein können, so individuell nehme ich einfach Skulpturen wahr. Und vermutlich war das von Beginn an etwas, das mich an allen Kunstrichtungen – sei es nun in der bildenden oder der darstellenden Kunst – fasziniert hat: Nie ist es nur das Werk, das eine Geschichte erzählt, immer ist auch das angesprochene Publikum in einer einzigartigen Verständnis-Situation involviert.

Pablo Picasso hat mich auch in seinen Gemälden schon lange fasziniert, seine Skulpturen, wie sie aktuell im BOZAR gezeigt werden, öffnen hier nochmal einen weiteren Zugang auf einer zusätzlichen Ebene. Daher kann ich euch allen, die bis März 2017 in Brüssel sein werden, nur raten: Schaut euch die Ausstellung an und lasst sie auf euch wirken. Für einen anschließenden Erlebnisaustausch bei einem guten Glas Wein stehe ich euch gerne zur Verfügung!

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