Heimatgefühle…

Heute Abend fliege ich erneut für ein verlängertes Wochenende nach Wien – es ist tatsächlich mein neunter (!) Aufenthalt in Österreich, seit ich Ende März nach Brüssel gezogen bin. Das hat nichts mit Heimweh oder ähnlichem zu tun, viel mehr waren die Aufenthalte sowohl beruflich (wofür ich meinen Job bei der Österreich Werbung auch sehr schätze) als auch privat motiviert und ich komme immer wieder gerne in meine Heimat zurück. Denn sosehr ich von Anfang an gesagt habe, dass Brüssel nun mein neues Zuhause ist, so stark ist mir auch bewusst, dass Österreich im Allgemeinen und Wien im Speziellen einfach jener Ort ist, wo ich herkomme und die Tatsache, dass ich nun woanders lebe, lässt mich viele Facetten meiner Heimat ganz anders schätzen.

heimatUnd ganz ehrlich: Österreich ist schon ein schönes Land und Wien nicht umsonst auch in ganz vielen Statistiken eine der lebenswertesten Städte der Welt! Meine Heimat nehme ich mittlerweile – obwohl ich immer schon viel von ihr gehalten und vor allem die österreichische Hauptstadt immer schon mit offenen Augen wahrgenommen habe – nochmal ganz anders wahr und ich genieße jeden einzelnen Österreich-Besuch sehr! Was mich so begeistert? Wien vereint imperiales Erbe mit kreativer Moderne, besticht mit einem Kultur- und Musikangebot, das seinesgleichen sucht, weiß zu genießen, funktioniert dank einer hervorragenden Infrastruktur und ist eine Weltstadt, die durch ihren umfassenden Grünraum Lebensqualität garantiert. Ja, ich bin stolz Wienerin zu sein und möchte aufgrund der jüngsten politischen Entwicklungen an dieser Stelle auch unterstreichen, dass Heimatstolz ein Gefühl weitab der politischen Rechte sein kann.

Michael Neumeyer beschreibt in seinem 1992 veröffentlichten Werk „Heimat: zu Geschichte und Begriff eines Phänomens“ die Heimat als „…eine unmittelbare, alltäglich erfahrene und subjektive Lebenswelt [dar], die durch längeres Einleben in ihre sozialen, kulturellen und natürlichen Bestandteile Vertrautheit und Sicherheit, emotionale Geborgenheit und befriedigende soziale Beziehungen bietet und – auch dadurch – insbesondere verschiedene (Grund-) Bedürfnisse befriedigt. … Dieses noch weiter komprimierend und reduzierend kann Heimat als satisfaktionierende Lebenswelt bezeichnet werden. Womit Heimat weniger als ein Raum, sondern vielmehr als Zustand der Satisfaktion in einer und durch eine Umwelt anzusehen ist.“ Doch leider wird der Heimatbegriff Tag für Tag mehr von der politischen Rechte eingenommen, aktuelle Beispiele hierfür reichen von dem österreichischen Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer bis zu dem gestern gewählten neuen Präsidenten der USA Donald Trump.

Doch lasst mich euch eines sagen: Seit ich Österreich verlassen habe, bin ich mir meiner Heimatgefühle umso bewusster geworden – und die haben nichts mit Ausgrenzung oder Selbstdefinition über Fremddefinition zu tun! Vielmehr finde ich hier ganz nach Michael Neumeyer Vertrautheit und Sicherheit, emotionale Geborgenheit und befriedigende soziale Beziehungen. Vielleicht ist es also wirklich so, dass Heimat gar kein Ort ist, sondern ein Gefühl? So oder so werde ich es wieder empfinden, wenn ich heute Abend nach Wien fliege und darauf freue ich mich schon sehr! Genauso wie ich mich auch am Ende jedes Österreich-Aufenthalts wieder darauf freue in mein aktuelles Zuhause Brüssel zurückzukommen…

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