Ein neuer Präsident – und jetzt?

ÖsterreichEr wolle ein Präsident für alle ÖsterreicherInnen sein und das Gemeinsame vor das Trennende stellen, wie Alexander van der Bellen in seiner Rede im Wiener Palais Schönburg heute Nachmittag einmal mehr sagte. „Versuchen wir weniger miteinander zu streiten und mehr einander zuzuhören, beginnen wir, miteinander zu reden“, sagte das künftige Staatsoberhaupt. Es hat Monate gedauert, doch zuletzt stand am Sonntag (zumindest für mich überraschend schnell) fest, dass der neue Bundespräsident der Republik Österreich Alexander van der Bellen heißt.

Natürlich hatte ich auf dieses Ergebnis gehofft, aber nach den letzten politischen Entscheidungen – Brexit und die Wahl von Donald Trump als US-Präsident – habe ich ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet. Viel mehr hatte ich mich damit abgefunden, dass ich das politische Grundverständnis der gesellschaftlichen Mehrheit einfach nicht nachvollziehen kann. Darum habe ich auch im Zuge der Hochrechnung am Sonntag nicht sofort mit Erleichterung reagieren können, da ich tatsächlich nach einem Haken gesucht hatte.

Nun, den gibt es nicht. Der Wunsch nach etwas Gemeinsamen hat über die Fokussierung auf das Trennende gesiegt. Und das ist gut so. Ich sehe darin tatsächlich auch ein Signal weit über die Landesgrenzen Österreichs hinaus. Nachdem es in so vielen Nationen einen immer stärker spürbaren Rechtsruck gibt und auch im nächsten Jahr 2017 vor allem mit Frankreich und Deutschland zwei wichtige Wahlen bevorstehen, glaube ich, dass Österreich mit seiner Entscheidung ein wichtiges Zeichen gesetzt hat.

Doch es ist nicht vorbei. So sehr es mich auch freut, dass 53,79% der Stimmen an den grünen Präsidentschaftskandidaten gingen, so wenig vergesse ich, dass 46,21% nicht für ihn waren. Wenn auch die Entscheidung eindeutiger als erwartet ausging, darf man nicht ignorieren, dass sehr viele ÖsterreicherInnen eine Veränderung in eine andere Richtung möchten. Und gängigen Klischees widersprechend denke ich nicht, dass all diese Menschen dumm und/oder uninformiert und/oder die falschen Medien lesend sind. Viel mehr sieht fast jede/r zweite ÖsterreicherIn (und ich ignoriere an dieser Stelle bewusst die unterschiedlichen Wahlentscheidungen zwischen den Geschlechtern, weil es an der grundsätzlichen Tatsache nichts ändert) die Lösung in einer Richtung, die für mich nicht nur nicht nachvollziehbar ist, sondern tatsächlich in vielen Punkten einem Wolf im Schafspelz gleicht.

Alexander van der Bellen hat nun eine Menge Arbeit vor sich, aber ich bin davon überzeugt, dass er es gut machen wird. Und auch wenn ich der Entscheidung anfangs mit Vorsicht begegnet bin, lasst euch einer Sache versichert sein: Ich bin sehr stolz auf Österreich. Denn was uns alle verbindet, ganz gleich wo auf der Welt wir leben, sollte mehr sein als die bewussten Ausgrenzungen anderer.

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