Ist 30 das neue 20?

Heute Abend mache ich mich mal wieder auf den Weg nach Wien – mein Urlaub von insgesamt zehn Tagen in der Heimat beinhaltet zwei wichtige Daten, die ich in keiner anderen Stadt verbringen möchte. Einerseits ist mir Weihnachten im Kreis meiner Familie sehr wichtig, andererseits feiere ich morgen meinen Geburtstag zusammen mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Immerhin ist es auch nicht irgendein Geburtstag, sondern ich werde 30. Die Gesellschaft suggeriert, dass das ein einschneidendes Erlebnis ist und lange Zeit wusste ich nicht, wie ich zu dem Alter stehe. Mittlerweile weiß ich es, ich freu mich drauf!

birthdayDie Aussage „30 ist das neue 20“ ist in aller Munde, und bis zu einem gewissen Grad würde ich das auch so unterschreiben. Ich glaube, dass viele Dinge, die eine Generation vor meiner noch in ihren 20ern gemacht hat, jetzt einfach ein Jahrzehnt nach hinten verschoben wurden. Heutzutage verbringen wir die erste Hälfte unserer 20er studierend, absolvieren Praktika, die uns mal mehr und mal weniger in unserem Leben weiterbringen und sind schließlich Mitte 20 bis wir tatsächlich auf Vollzeit-Basis zu arbeiten beginnen. Da bleibt wenig Zeit für Gedanken zur Familiengründung und zum Hausbau. Zusätzlich haben wir wohl selten ein größeres soziales Netzwerk, sind unterwegs um FreundInnen zu treffen und die eine oder andere Nacht zum Tag zu machen. Erwachsen werden, verantwortungsvoll handeln, Entscheidungen treffen? Dafür bleibt hier kaum Zeit. Und das ist vielleicht auch gut so. Ich selbst habe das Gefühl, dass ich mich sehr stark im Laufe des letzten Jahrzehnts verändert habe. Daher wäre ich auch vermutlich in meinen 20ern noch nicht bereit gewesen eine Entscheidung „für jetzt und alle Ewigkeit“ zu treffen. Viel zu sehr war ich mit meiner persönlichen Selbstfindung beschäftigt, habe meine Zeit mit verschiedensten Studien verbracht, Auslandssemester absolviert, Reisen unternommen und das war das Beste, was ich nur tun konnte.

Jetzt mit 30 ist es weniger die Selbstfindung, die im Mittelpunkt steht, sondern mehr die Selbstverwirklichung. Ich weiß, was ich will und vor allem, was ich nicht will. Ich habe gelernt, dass ich nichts für andere Menschen tun muss um gut dazustehen, sondern es vor allem darum geht mir selbst treu zu bleiben. Ich habe Entscheidungen getroffen, zu denen ich gerne stehe. Ich umgebe mich nun mit Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Ich hatte großartige Beziehungen und weiß, dass wieder welche folgen werden. Ich mag mich selbst um einiges mehr als ich es noch vor zehn Jahren getan habe.

Natürlich ist mir bewusst, dass die Zeit auch immer schneller vergeht und ich nicht alle Entscheidungen permanent um ein Jahrzehnt vor mir herschieben kann. So viel Zeit, wie viele tun, hat man für gewisse Dinge auch wieder nicht. Das stimmt natürlich, auf der anderen Seite habe ich auch erst mit 30 eine Erkenntnis erlangt, die ich vermutlich mit 20 noch nicht so hatte: Wir streben immer nach mehr. Nach Beständigkeit und nach Weiterentwicklung zugleich. Und irgendwie ist dieses Streben mit ein bisschen mehr Ruhe doch viel schöner. Denn irgendwie ist es verdammt schön erwachsen zu sein.

Und so hat jedes Alter seine guten Seiten. Happy Birthday to me. Und jetzt auf nach Wien…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s