Digital Detox?

Auch wenn es irgendwie absurd scheint, einen Blog-Beitrag über Digital Detox zu schreiben, ist es doch ein Thema, über das ich in letzter Zeit immer wieder sehr viel nachgedacht habe. Ich kann mich in keinster Weise davon ausnehmen, dass ich rund um die Uhr erreichbar bin, meine Smartphones sind immer bei mir, unzählige Male am Tag bin ich auf Facebook, mache Fotos und teile sie auf Instagram, nutze das Internet um eine schnelle Antwort zu finden. Die Digitalisierung ist Teil meines Alltags und ich möchte sie definitiv nicht missen. Aber trotzdem regt sich in mir immer öfter das Verlangen offline zu gehen und das auch zu genießen. So kam es auch, dass eines meiner #anydaysgood-Vorhaben fünf Tage Digital Detox am Stück ist und schon jetzt kann ich sagen, dass dieses Ziel wohl das Schwierigste von allen sein wird. Wie absurd das eigentlich ist, wird mir immer wieder bewusst. Denn alle anderen Vorhaben sehe ich als durchaus machbar, ich will mindestens zehn Länder bereisen, jedes österreichische Bundesland besuchen obwohl ich in Belgien lebe, neue Sportarten ausprobieren, in der Wüste übernachten, eine Kreuzfahrt machen und vieles andere, doch fünf Tage offline zu gehen ist eindeutig die größte Herausforderung.

© Huffington Post

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Auch in der aktuellen Ausgabe des FLOW-Magazins (übrigens eine Zeitschrift, die ich jeder/jedem von euch nur wärmstens empfehlen kann) beschäftigt sich die Cover-Story mit dem Thema „Vom guten Gefühl, offline zu sein“. Hier werden auch einige Zahlen und Fakten angeführt, die die Bedeutung von gelegentlichem Digital Detox noch weiter unterstreichen: Ein Bonner Forschungsteam hat herausgefunden, dass wir im Schnitt drei Stunden am Tag mit unserem Smartphone verbringen, wir nehmen es alle 15 Minuten zur Hand. Die Hauptzeitfresser sind soziale Netzwerke, 32 Minuten pro Tag gehen für WhatsApp-Nachrichten drauf, 15 Minuten für Facebook. Vor allem die Vielfachnutzung der Geräte wird ausgesprochen kritisch gesehen, hat man das Handy einmal in der Hand (zum Beispiel durch die Wecker-Funktion beim Aufstehen), bleibt man meist auch bei anderen Anwendungen hängen. Eine weitere Studie des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz hat im Vorjahr belegt, dass die Mehrheit der Deutschen ihr Smartphone mit ins Schlafzimmer nimmt; selbst bei 40 Prozent der Erst- bis Viertklässler (Kinder von 7 bis 10 Jahren!) liegt das Gerät am Bett. Wir sagen der Welt auf Facebook Gute Nacht und erfahren beim Aufstehen, welche Krisen den Globus erschüttern.

Auch hier war ich lange Zeit keine Ausnahme, seit einigen Monaten habe ich allerdings meine Alarm-Funktion des Smartphones nur noch in Ausnahmefällen aktiviert (frühes Aufstehen bevor ich zum Flughafen muss oder ähnliches), im Alltag vertraue ich auf einen Lichtwecker und habe meine Handys nachts gar nicht mehr im Schlafzimmer. Auch habe ich mein tägliches Morgenritual mit einer halben Stunde Yoga und gewissen Theraband-Rückenübungen für mich gefunden, erst danach beim ersten Kaffee nehme ich mein Smartphone in die Hand um zu sehen, was sich in der Welt tut. Und regelmäßig gönne ich mir Abende, wo ich einfach nicht erreichbar bin. Ich habe gelernt diese Offline-Glücksmomente zu schätzen und möchte auch nicht mehr auf sie verzichten, ebenso wenig möchte ich aber in einer Zeit vor der Digitalisierung leben. Besonders seit meinem Umzug nach Belgien hat der Kontakt über WhatsApp und Facebook mit FreundInnen in meiner österreichischen Heimat und an vielen anderen Orten dieser Welt an Bedeutung gewonnen und ich freue mich sehr darüber, wenn ich so auch an Momenten teilhaben darf, die eigentlich Hunderte oder Tausende Kilometer von mir entfernt stattfinden.

Nichtsdestotrotz bleibe ich meinem Vorhaben, mir in diesem Jahr zumindest fünf Tage Digital Detox am Stück zu gönnen, treu. Wie und wann ich das schaffe, weiß ich zwar noch nicht (außer, dass es sicher im Zuge eines Urlaubs sein wird), aber der Plan steht!

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