Gedanken zum Weltfrauentag

Jedes Jahr wieder müssen wir feststellen: Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist auch in Westeuropa noch immer nicht so weit, wie wir denken oder hoffen. An der feministischen Front ist noch lange nicht alles erreicht. Daher möchte ich den heutigen Weltfrauentag dazu nutzen meine diesbezüglichen Gedanken mit euch zu teilen.

In einigen Ländern dürfen Frauen und Mädchen nicht allein das Haus verlassen und nicht mitreden. Die Familie entscheidet, wen das Mädchen heiraten darf. Damit das Unrecht gegen Frauen ein Ende hat, macht auch die Weltgemeinschaft der Staaten – also die Vereinten Nationen – mit. Die Vereinten Nationen kürten im Jahr 1975 den 8. März zum Weltfrauentag. Erfunden hat den Tag eine Frau namens Clara Zetkin. Sie ist in dem Ort Wiederau im heutigen Bundesland Sachsen geboren. Clara Zetkin forderte damals keine Sonderrechte, sondern ganz einfach Menschenrechte für Frauen und Männer. Was Männern erlaubt war, das sollte auch für Frauen gelten. Zum ersten Mal demonstrierten Frauen am Frauentag im Jahr 1911 für ihre Rechte. Und zwar in den Ländern Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Sie forderten damals, dass Frauen endlich wählen und in der Politik mitentscheiden dürfen. Bis dahin durften sie das in kaum einem europäischen Land. In dem Punkt hat sich immerhin schon einiges verbessert.

Doch auch heute noch sind Frauen mit einer Vielzahl an Hürden und Ungerechtigkeiten konfrontiert: In kaum einem EU-Land sind so viele Frauen erwerbstätig wie in Österreich, aber auch in kaum einem Land ist die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen größer. Dass Frauen schlechter qualifiziert wären, gilt schon lange nicht mehr als Ausrede – im Gegenteil: Bei höheren Bildungsabschlüssen haben sie schon lange die Nase vorn. Bei Uniabschlüssen knackten sie sogar schon die 60-Prozent-Marke. Die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-jährigen Frauen lag 2012 laut EU-Statistikamt Eurostat in Österreich bei 70,3 Prozent und damit deutlich höher als der Schnitt der 28 EU-Staaten (62,3 Prozent). Höhere Quoten gibt es praktisch nur in Skandinavien und Deutschland. Die Erwerbstätigenquote allein sagt nichts über die Qualität der Arbeit oder das Einkommen aus. In Österreich und auch anderen Ländern stieg die Erwerbsbeteiligung von Frauen vor allem wegen der vielen Teilzeitjobs in Niedriglohnbranchen wie dem Handel und dem Tourismus. 2002 arbeiteten in Österreich 35,3 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren Teilzeit, aktuell sind es bereits 44,9 Prozent. Bei Lohn und Gehalt sind Österreicherinnen besonders stark diskriminiert. Laut jüngster EU-Statistik war das Lohngefälle nirgends in der Union so groß wie in Estland (27,3 Prozent) und Österreich (23,7 Prozent). Im EU-Schnitt verdienen Frauen 16,2 Prozent weniger als Männer. Anders aufgeschlüsselt: Frauen stellen zwar 47 Prozent der Beschäftigten in Österreich, bekommen aber nur 36 Prozent der Löhne und Gehälter, wie die Arbeiterkammer Oberösterreich auf Basis der Zahlen der Lohnsteuerstatistik 2012 errechnete.

All diese Zahlen sind für mich Anlass genug um den Weltfrauentag auch 2017 nicht ignorieren zu können. Natürlich hat sich seit 1911 sehr viel an der Lebenssituation von Frauen zum Positiven verändert, aber von Gleichberechtigung sind wir noch immer lange entfernt. Und es hat absolut nichts mit übertriebenem Feminismus zu tun (obwohl ich aus Überzeugung sage, dass ich gerne Feministin bin), wenn ich und viele andere Menschen – Frauen wie Männer – diese Ungerechtigkeit anprangern. In ihren Anfängen forderten feministische Bewegungen ein Frauenwahlrecht und mehr weibliche Selbstbestimmung. Heute kämpfen sie für das Recht jedes einzelnen Menschen auf Freiheit, Frieden, Würde und Gleichberechtigung. Genau diese Idee ist extrem wichtig – damals wie heute.

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