Asien und ich

In dem Leben von fast jedem/jeder von uns gibt es diesen einen Menschen, der uns vor vielen Jahren einmal berührt hat. Es muss nicht sein, dass es die Liebe des Lebens war, es kann auch nur ein intensiver Flirt gewesen sein und trotzdem, selbst wenn wir diesem Mann oder dieser Frau Jahre später wieder begegnen, selbst wenn wir zu diesem Zeitpunkt viele andere PartnerInnen hatten oder sogar mit der Liebe unseres Lebens zusammen sind, reicht oft ein Blick oder ein Lächeln allein, um all die Gefühle von damals wieder zu empfinden. Das lässt uns natürlich nicht gleich unsere aktuelle Beziehung in Frage stellen, aber es zeigt uns einfach, dass hier ein Band besteht, das man nicht vermutet hätte, an das man nicht mehr geglaubt hatte oder das einem oft selbst schwer nachvollziehbar scheint. Ich glaube nicht, dass es einem nur mit Menschen so gehen kann, auch Orte können diese Wirkung auf einen haben. Für mich ist das Asien.

Es gab eine Zeit, wo mich Asien unglaublich fasziniert hat. Als ich 2005 erstmals in Shanghai war, zog mich die Stadt in ihren Bann. Später ging ich 2007 für ein halbes Jahr nach Macau um dort zu studieren und habe während dieser Zeit viele andere asiatische Länder bereist. 2009 habe ich den Sommer in Indien verbracht um mich erstmals intensiv mit mir selbst auf sehr reduzierte Art und Weise auseinander zu setzen. So viel mir diese Wochen auch gegeben haben, waren sie doch auch für lange Zeit meine letzte Reise nach Asien (sofern man den asiatischen Teil der Stadt Istanbul nicht mitrechnet). Bis jetzt. Heute bin ich von einer 10-tägigen Reise nach Singapur zurück gekommen (mehr Details in einer entsprechenden Travelstory folgen natürlich noch) und vom ersten Moment fühlte ich wieder diese besondere Beziehung. Als würde dich ein Mensch aus deiner Vergangenheit, den du zwar verdrängt, aber nie vergessen hast, anlächeln und all die Gefühle sind wieder da…

Es gab vermutlich verschiedenste Gründe, warum mich meine Reisen in den letzten Jahren in andere Destinationen geführt haben, aber als ich vor 10 Tagen in Singapur ankam, konnte ich keinen dieser Gründe mehr so recht nachvollziehen. Ich liebe die Luftfeuchtigkeit, ich liebe es, dass die Menschen lächeln, ich liebe die asiatische Küche und ich liebe es sogar, dass in jedem kleinen Hotel 90er-Jahre-Popsongs beim Frühstück laufen, die eigentlich so zu Tode gespielt wurden, dass man sie nicht einmal auf 90s-Clubbings hören mag. All das macht die Rahmenbedingungen aus, in denen ich mich so wohl fühle. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich vermutlich selten von ganzem Herzen so glücklich war wie während meiner Zeit in Macau und dass ich nie mehr über mich gelernt habe als während meiner sieben Wochen Backpacking im Norden Indiens. Asien hat mir gezeigt, wer ich sein kann und was ich tun möchte.

Nicht nur die Tatsache, dass der Kontinent sofort wieder eine solche Wirkung auf mich hat, sondern auch die Gegebenheit, dass ich meine Liebe zu Asien in den letzten Jahren so verdrängen konnte, fasziniert mich gerade sehr. Wie gesagt, ich habe in den letzten Jahren großartige Reisen unternommen, an die ich mich allesamt gerne zurückerinnere und es wird auch jetzt nicht so sein, dass mich ab sofort wieder jeder Urlaub nach Asien führt, aber ich bin mir dieser Beziehung nun einfach wieder bewusst. Daher auch der anfängliche Vergleich… Es gibt einen Menschen, den du vor Jahren auf eine besondere Art und Weise gekannt hast, ihr habt euch aus den Augen verloren und du hast dein Glück anderweitig gefunden, hast an diesen Menschen oft seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht. Aber wenn du ihn oder sie dann wieder siehst, er oder sie dich in gewohnter Weise anlächelt, kommen diese Gefühle einfach wieder hoch. So ging es mir in den letzten Tagen und eigentlich ist das eine ganz wundervolle Emotion, die mich wieder daran erinnern ließ, warum ich eigentlich so bin wie ich bin.

Ein Gedanke zu “Asien und ich

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