Freundschaften auf Distanz

Vielleicht hat es damit zu tun, dass heute eine meiner liebsten und engsten Freundinnen aus Wien nach Brüssel kommt, vielleicht auch damit, dass ich einfach in letzter Zeit immer wieder über Freundschaften nachgedacht habe und was sich hier durch meinen Umzug verändert hat… Verlieren sich Freundschaften automatisch, wenn Tausende von Kilometern zwischen einem liegen? Kann es sein, dass die gemeinsam verbrachte Zeit dadurch noch intensiver, weil auch weniger alltäglich, wahrgenommen wird? Warum sind viele von uns bereit sich für eine Fernbeziehung Mühe zu geben, aber nicht so viel in die Pflege von Fernfreundschaften zu stecken?

Vorweg genommen möchte ich an dieser Stelle gleich einmal unterstreichen, dass ich sehr viel in den vergangenen 16 Monaten über meinen eigenen Zugang zu Freundschaft und den einiger Freunde und Freundinnen gelernt habe. Im ersten Moment, wenn man bekannt gibt, dass man ins Ausland zieht, hört man von vielen Menschen, dass sie einen auf jeden Fall besuchen werden usw. Ich muss euch vermutlich nicht erzählen, dass die Realität oft anders aussieht. Nun lebe ich beinahe 1,5 Jahre in Belgien und hatte tatsächlich regelmäßigen Besuch aus der Heimat. Viele FreundInnen haben das eine oder andere Wochenende in Brüssel verbracht und ich gebe zu, dass ich mich über alle Kurztrips mir zuliebe sehr gefreut habe. Es waren hier Menschen dabei, bei denen ich mir sicher war, dass sie ein „Ich komme dich auf jeden Fall besuchen“ nicht nur so dahin gesagt haben und zu ihrem Wort stehen würden. Und es gab auch FreundInnen, die mich mit ihrem Besuch ausgesprochen positiv überrascht haben. Dann gibt es auch andere, die zwar noch nicht in Brüssel waren, bei denen ich aber weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist und es bisher einfach an Terminkollisionen (denn ich bin eben auch nicht permanent in Belgien) scheiterte. Und dann gibt es eben noch die andere Kategorie: Menschen, die meinten, dass sie auf jeden Fall nach Brüssel kommen. Menschen, denen ich das auch absolut geglaubt habe. Menschen, die es nicht einmal probiert haben. Menschen, von denen ich natürlich teilweise sehr enttäuscht war. Aber das sind eben auch Menschen, die mir mindestens genauso viel über den Wert von Freundschaften gelernt haben, wie all jene, die eine Distanz nie zum Thema werden ließen.

Reflektierend kann ich zum Thema Freundschaften auf Distanz somit folgendes sagen: Dem Familienzusammenhalt macht die weite Entfernung oft weniger aus als der Beziehung zu FreundInnen. An dieser Stelle möchte ich auch auf gar keinen Fall unerwähnt lassen, dass meine Bindung zu meinen Eltern vermutlich durch meinen Umzug noch enger geworden ist, wir haben unsere regelmäßigen Familientelefonkonferenzen und eigentlich wissen sie immer, was bei mir gerade los ist. Zusätzlich – und da können Wien-Besuche noch so kurz sein – ist ihnen immer mindestens ein Abend reserviert und tatsächlich führt das teilweise dazu, dass wir uns öfter die Zeit füreinander nehmen als wir es im stressigen Alltag getan haben während der Zeit als ich noch in Wien gelebt habe. Aber auch Fernfreundschaften brauchen viel Liebe und Pflege, wenn die Freundschaft trotz Distanz erhalten bleiben soll. Freundschaften sind nicht immer einfach, besonders nicht wenn dazwischen eine weite Strecke liegt, dennoch zeigt sich meist schnell wer ein wirklicher Freund oder eine Freundin, auf die man sich bedingungslos verlassen kann, ist. Mit diesen Tipps fällt es mir auf jeden Fall leichter die wichtigen Menschen in meinem Leben auch über 1.000 km an meinem Alltag teilhaben zu lassen:

  • Soziale Medien vereinfachen vieles. Ich bin ohnehin ein Mensch, der viele Ereignisse des täglichen Lebens in Brüssel oder auf Reisen über Facebook, Instagram & Co teilt, aber vor allem meine engsten Freundinnen und Freunde bekommen oft einfach auch kurze Nachrichten oder Fotos über WhatsApp in Momenten, an denen ich einfach an sie denke, Situationen mit ihnen in Verbindung bringe oder Gedanken mit ihnen persönlich teilen würde, wenn ich vor Ort wäre.
  • Briefe und Postkarten schreiben. Seit ich in Brüssel bin, habe ich mir angewöhnt, wichtigen Menschen zu ihrem Geburtstag nicht nur über WhatsApp oder Facebook zu gratulieren, sondern ihnen eine perönliche Glückwunschkarte per Post zu senden. Auch gibt es einige FreundInnen, denen ich regelmäßig längere Briefe schreibe, die mir mehr oder weniger als Ersatz eines Gespräches bei dem einen oder anderen Glas Wein dienen um ihnen von Neuigkeiten aus meinem Leben zu erzählen. Und ich vertrete hier einfach tatsächlich die Meinung, dass kein Email jemals mehr geschätzt wird als ein handschriftlicher Brief.
  • Telefonieren. Ganz gleich, ob es kurze Anrufe von fünf Minuten sind, wo man nur schnell loswerden möchte, was einem gerade auf der Zunge brennt oder stundenlange Gespräche über Gott und die Welt (und natürlich die Liebe), ich habe für mich eindeutig erkannt, dass ich diese Telefonate brauche. Hier gibt es eine gewisse Auswahl an Menschen, mit denen ich regelmäßg telefoniere, andere sehr gute Freundinnen und Freunde, mit denen ich das lustigerweise nie tue, aber das hat sich einfach so ergeben. Und so oder so möchte ich die Telefonate nicht missen!

Abschließend möchte ich an dieser Stelle noch erwähnt haben, dass mich natürlich gewisse Freundschaften enttäuscht haben, aber umso mehr freue ich mich über jene Menschen, zu denen sich der Kontakt in den letzten Monaten unglaublich intensiviert hat. T., die mich heute noch besuchen kommt, ist sicher eine von ihnen – und nebenbei bemerkt ist sie auch die Person, die abgesehen von meinen Eltern bereits am Häufigsten zu Besuch in Brüssel war. Hätte ich das vor zwei Jahren erwartet? Vermutlich nicht! Aber es sind eben genau diese Freundschaften, die mir bewiesen haben, dass Nähe keine Frage von Entfernung ist!

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