Mein Zugang zu Romantik

Vielleicht hat es damit zu tun, dass sich eine sehr gute Freundin von mir kürzlich verlobt hat. Vielleicht auch damit, dass Beziehungen einfach ein omnipräsentes Thema in meinem Freundeskreis sind. Und vielleicht auch damit, dass ich mich erst vor zwei Wochen bei einem gemütlichen Brunch mit A. in Wien sehr lange mit ihr über dieses Thema unterhalten habe. Aber tatsächlich habe ich mir in letzter Zeit (und das mag auch an meiner einwöchigen Auszeit im digitalen Off liegen) viele Gedanken über meinen eigenen Zugang zu Romantik gemacht, die ich nun einfach ein wenig ausführen möchte.

Denn ganz gleich wie feministisch ich auch veranlagt sein möchte oder welche Rolle die weibliche Emanzipation in meinem Leben spielt, auch ich kann mich gewissen romantischen Vorstellungen einfach nicht verwehren. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das überhaupt möchte. Immerhin strebe ich auch nach Anerkennung und Wertschätzung im Beruf, warum sollte ich also auf zwischenmenschlicher Ebene keinen Wert darauf legen? Natürlich finde ich es schön, ab und an einmal mit einem Candlelight-Dinner überrascht zu werden, einen Strauß roter Rosen unerwartet zu bekommen und mit einem Menschen, dem es ähnlich viel bedeutet, unvergessliche Momente wie einen Sonnenuntergang oder einen Spaziergang durch den Regen zu teilen. Gerade diese Momente haben für mich auch weniger mit Märchen-Träumereien junger Mädchen zu tun (was leider viel zu oft der erste Gedanke ist, wenn das Thema Romantik zur Sprache kommt) als mit der Wertschätzung des Hier und Jetzt. Für mich bedeutet es eher eine besondere Art der hektischen Welt zu zeigen, dass man auch einmal bedachter und ruhiger auf sich und seine Umgebung achten sollte, dass es in dieser Zeit unheimlich viele kleine romantische Dinge gibt, die jenseits des alltäglichen Lebens liegen und gleichzeitig doch allgegenwärtig sind.

Ich glaube, ich habe oft genug unter Beweis gestellt, dass ich sehr gut alleine sein kann. Dass ich keinen Mann an meiner Seite brauche um ein Gefühl der Vollständigkeit zu verspüren. Aber natürlich erlebe ich oft genug Situationen, die ich gerne mit jemanden teilen würde. Mit jemanden, der diese in einem ähnlichen Maße wertzuschätzen weiß. Dem die Kleinigkeiten im Leben im Allgemeinen und im zwischenmenschlichen Miteinander im Speziellen ebenso wichtig sind wie mir. Der mir einfach sagt, dass er gerne mit mir zusammen ist und das auch meint.

Aber warte ich deswegen auf den Prinzen auf seinem weißen Pferd, der mir die Hand reicht und mit mir in den Sonnenuntergang reitet? Nein, definitiv nicht! Wenn ich das möchte, kann ich mir auch selbst ein Pferd mieten – das ist einfach mein emanzipatorischer Zugang zu diesem Thema und der Realismus, dem ich mich weder verschließen kann noch möchte. Übrigens war gerade dieses Bild auch jenes, über das A. am meisten gelacht hat und meinte, dass das einer jener Punkte ist, die mich ausmachen… Und ehrlich gesagt freut mich das sehr! Ich stehe gerne mit beiden Beinen im Leben und freue mich trotzdem über Rosen – eigentlich kein Widerspruch, oder?

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