So war meine Digital Detox-Woche

Digitale Entgiftung – das ist ein Trend aus den USA, der inzwischen auch Europa erreicht hat und dessen Anziehungskraft auch ich nicht verleugnen kann. Er versteht sich als Reaktion auf eine Lebensweise, in der wir immer und überall erreichbar sind, sein müssen und sein wollen. „Always on“ sozusagen, aus Neugier oder aus Spaß, aus Pflichtgefühl oder aus einer „Fear Of Missing Out“ heraus – der Angst, etwas zu verpassen. Wir sagen der Welt auf Facebook Gute Nacht und erfahren beim Aufstehen, welche Krisen den Globus erschüttern; noch bevor wir aus dem Haus gehen, haben wir die erste E-Mail geschickt, abends vor dem Einschlafen beantworten wir die letzte. Zwischendurch erhalten wir Push-Benachrichtigungen von Instagram und Facebook, unsere Smartphones wecken uns und erinnern unsan Termine. Wenn ich ehrlich bin, schätze ich es, kommunizieren zu können, wann und wo ich will. Und wenn ich ganz ehrlich bin, fluche ich auch manchmal darüber. Dementsprechend hatte ich mir vorgenommen in diesem Jahr für mindestens fünf Tage am Stück auf mein Smartphone und jegliche andere Verbindungen zur digitalen Außenwelt zu verzichten. Da sich dieses Vorhaben mit meinem Arbeitsalltag nicht kombinieren lässt, wurde es für meine einwöchige Urlaubsauszeit in Osttirol geplant und umgesetzt. Wie es mir damit ging, möchte ich euch nun berichten…

Doch zuerst, warum das Ganze eigentlich? Die Welt, in der wir leben, ist ein ewiger Teufelskreis aus unzähligen Informationen, die in einer völligen Reizüberflutung enden. Ständig checken wir also, was online passiert, wir müssen schließlich immer up-to-date sein. Unser Gehirn wird ständig bombardiert mit einer Datenflut von Bildern, Texten, Videos und sonstigen Sensationen. Das führt natürlich auch zu einer gesteigerten Anzahl an Stresshormonen. Wenn wir dann abends im Bett liegen, können wir oft nicht einschlafen, weil die Tagesration an Reizüberflutung auch erst einmal wieder abgebaut werden muss, zusätzlich fällt uns noch etwas ein, das wir morgen unbedigt erledigen müssen, weswegen wir zum Handy auf unserem Nachttisch greifen und uns ein Erinnerungsmail schicken. Und so weiter, und so fort… Ganz ehrlich, ich will mich hier auch gar nicht ausnehmen, auch ich bin so. Weswegen ich mich seit Wochen bereits auf meine Digital Detox-Erfahrung gefreut habe.

Meine digitale Auszeit wollte ich mir also im Zuge meines Urlaubs gönnen: Während der Anreise nach Matrei in Osttirol hatte ich mein Smartphone noch aktiviert. Gleich nach meiner Ankunft im Hotel wurde aber nur noch schnell ein letztes Foto verschickt mit der Nachricht, dass ich gut angekommen bin und mich nun für eine Woche ins digitale Off verabschiede. Gesagt, getan… Und gleich einmal die erste Erkenntnis: Irgendwie wirkt die vermeintliche Verminderung von digitalem Stress erst mal so, als hätte man noch mehr Stress! Schnell kommen die ersten Fragen, für die man im Alltag einfach Google konsultiert, rasch fragt man sich, wie man denn an den Wetterbericht kommen soll um die Wanderung des nächsten Tages zu planen. Diese erste Phase wird gleich einmal gefolgt von einer großen Erkenntnis: Andere Menschen haben oft genau die Antworten, nach denen man sucht! Und eigentlich ist es richtig nett einfach mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ganz gleich ob man sie kennt oder nicht… Ein Gefühl der Entspannung und der Entschleunigung stellt sich allmählich ein. Das Wissen, nicht ständig erreichbar sein zu müssen, jeden Moment mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert werden zu können und einfach sein eigenes Ding zu machen, macht glücklich. Wieviel Zeit man eigentlich mit Facebook und oberflächlichen Whatsapp-Nachrichten verschwendet, fällt einem erst auf, wenn man Selbiges nicht tut. Und plötzlich hat man richtig viel Zeit, die man achtsamer in die eigene Umwelt investieren kann. Glaub mir, man entdeckt dabei viele Dinge um sich, die einem vorher nicht aufgefallen wären. Nicht nur Achtsamkeit, sondern auch die Motivation wird verbessert. Digital Detox ist definitiv ein Weg aus der eigenen Komfortzone und führt dazu, dass man unerwartete oder vernachlässigte Dinge, für die man sonst keine Zeit oder Lust hätte, plötzlich interessant findet. Natürlich war es auch bei mir so, dass ich mich am Tag 7 tatsächlich darauf gefreut hatte, mein Smartphone wieder aktiv zur Hand zu nehmen. Ich war neugierig, was ich „versäumt“ und wer mir trotz Ankündigung meines digital Offs geschrieben hatte.

Nach dieser Erfahrung habe ich mir auf jeden Fall vorgenommen auch kleine Digital Detox-Momente in meinen Alltag zu integrieren. Nachts sind meine Smartphones ohnehin auf Flugmodus gestellt, aber auch wenn ich für FreundInnen koche oder gar ein Date habe, ist es absolut legitim das Telefon einfach auszuschalten oder gar zuhause liegen zu lassen. Und so sehr ich es auch liebe schöne Momente als Fotos auf meinem Instagram-Account zu teilen, oft ist es noch viel mehr wert diese Erinnerung im Kopf abzuspeichern und nicht sofort für alle zugänglich zu machen… Digital Detox wird sicher auch bei einem Wanderurlaub im nächsten Jahr wieder eine Rolle spielen, zusätzlich plane ich momentan diese Auszeit im Jahr 2018 ein wenig zu erweitern und mir überhaupt einmal ein Schweigewochenende in der Natur zu gönnen. Was sagt ihr dazu?

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