Eine Frage von Egoismus

Wenn ich nun von Egoismus zu sprechen beginne, haben die meisten von euch vermutlich ein ähnliches Bild vor Augen: Dass es oft die die kleinen Dinge sind, an denen man EgoistInnen erkennt. Rücksichtslos sorgen sie dafür, dass sie das bekommen, was sie gerade wollen. Dabei ist ihnen egal, ob andere dafür zurückstecken müssen. Im Supermarkt an der Kasse drängeln sie sich vor, auf dem schmalen Gehsteig gehen sie keinen Millimeter zur Seite, sodass die Frau mit dem Kinderwagen auf die Straße ausweichen muss. Das ist jedoch nicht jener Egoismus, über den ich jetzt sprechen möchte. Mir geht es nicht um einen ungesunden Egoismus, der anderen wirklich schadet, sondern um jene egoistische Struktur unserer Persönlichkeit, die uns vorantreibt, die als Motor für eine Selbstverwirklichung dient und die wir im Endeffekt alle haben. Letztendlich verhalten wir uns alle egoistisch. Auch wenn wir dem anderen nachgeben und eigene Bedürfnisse zurückstellen, verfolgen wir damit ein Ziel. Unter gesundem Egoismus versteht man, dass man sich seiner Bedürfnisse und Wünsche bewusst ist, sie äußert und sie in sein Verhalten miteinbezieht – eigentlich überhaupt nicht verwerflich, oder?

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal eine Sache klarstellen: Ich rede nicht von übertriebenem Egoismus und Selbstverliebtheit! So etwas ist in meinen Augen ein bloßes Zeichen von Schwäche und Angst. Ich rede nicht von den Menschen, die versuchen aus allem ihren persönlichen Vorteil zu ziehen und die bereit sind über Leichen zu gehen. Ich rede hier von einer gesunden Portion Egoismus, die einen dabei unterstützt den Weg zu gehen, den man gehen muss und der für einen bestimmt ist. Meiner Meinung nach kann man nur dann langfristig wirklich glücklich werden, wenn man aufhört sich immer nur anpassen zu wollen und stattdessen beginnt sich an seinen eigenen Standards zu messen. Wie gesagt, es geht hier nicht darum die Welt um einen herum zu vergessen, andere ständig zu übergehen und keine Kompromisse schließen zu wollen. Ich bin nur einfach davon überzeugt, dass man zu einem gesunden Teil ein Egoist oder eine Egoistin sein muss, wenn es darum geht sich seine eigenen Ziele zu setzen und seine Träume zu verwirklichen. Niemand von uns muss sich zwanghaft in ein Raster einfügen, den man einfach nicht entspricht! Und das kann auch Menschen rund um uns herum inspirieren, weil sie einfach sehen, dass es möglich ist den eigenen Weg zu gehen.

Der zweite positive Effekt, den eine gesunde Portion Egoismus mit sich bringt, ist neben der oben erwähnten „Vorbildfunktion“ auch die Tatsache, dass sobald man einer Leidenschaft folgt, man automatisch zufriedener wird und dadurch auch eher bereit ist anderen Menschen zu helfen. Wenn man aber unzufrieden ist und das Gefühl hat zu kurz zu kommen, dann versucht man sich von allen abzuschotten. Genau dann kommt es auch wieder zu dieser Form des extremen, übertriebenen Egoismus, bei dem man seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche über die der anderen stellt.

Charly Chaplin hat einmal etwas gesagt, dass es eigentlich sehr genau trifft: „Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit,
 was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, 
das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. 
Anfangs nannte ich das „gesunden Egoismus“, aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe.“ Und somit habe ich auch kein Problem damit dazu zu stehen, dass ich durchaus egoistisch bin, wenn es um meine Selbstverwirklichung geht. Wäre ich das nicht, würde ich immer nur versuchen anderen Menschen etwas Recht zu machen und wäre mir selbst untreu. Und so kann man sich einfach nicht nahe sein…

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