Gerhard Richter. Over schilderij.

Vor einigen Tagen habe ich einen schönen (und tatsächlich auch sonnigen) Sonntag mit einer Freundin in Gent verbracht. Der Hauptgrund unseres Besuchs war eine Ausstellung im S.M.A.K. und zwar „Over schilderij“ mit Werken von Gerhard Richter. Das S.M.A.K. ist das Museum für zeitgenössische Kunst und stellt sich selbst und auch die Stadt Gent unter das Motto „Dynamisch und unkonventionell“. Und das trifft es meiner Meinung nach ziemlich auf den Punkt…

Die Gerhard Richter-Ausstellung war mir persönlich ein großes Anliegen. Ich bin zum ersten Mal mit der Arbeit des deutschen Künstlers bei einem Besuch der Fondation Beyeler in Basel im Jahr 2014 in Berührung gekommen und war damals schon mehr als beeindruckt. Er ist ein Maler, der seinen eigenen Weg geht und vor allem nicht davor zurückscheut sich immer wieder selbst neu zu erfinden. In der Rezeption von Richters Werk wird betont, in welch hohem Maße Richters Werke voller Widersprüche und Diskontinuitäten erscheinen: zwischen fotorealistischen Naturdarstellungen, den unscharfen Gemälden nach Fotografien und Gemälden höchster Abstraktion bis hin zu Glas- und Spiegelobjekten bzw. Installationen. Diese Elemente finden sich nicht nacheinander als Entwicklungsstränge des Werks. Richter greift diese unterschiedlichen Vorgehensweisen immer wieder auf. Was dieses Werk zusammenhält, ist Richters forschende und experimentierende Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Es geht um die mit den Augen wahrgenommene, die mit der Kamera fotografierte, die gespiegelte, die im Glas transzendierte und auch um die malerisch inszenierte Realität.

Auch in der in Gent gezeigten Ausstellung (übrigens die erste Einzelausstellung seines Schaffens in Belgien seit 1976) kommt das ganz klar zum Ausdruck. Während sie chronologisch bei seinen jungen Werken der 1960er- und 1970er-Jahre beginnt, werden auch Bilder des Künstlers aus den Jahren 2016 und 2017 erstmals in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Somit wird ein Querschnitt über rund 50 Jahre präsentiert und dennoch ist es schwer Entwicklungsschritte, wie sie oft bei KünstlerInnen deutlich erkennbar sind, klar auszumachen. Viel mehr ist ein sehr individueller Zugang zu Malerei ausmachbar und die Bilder sprechen für sich. Für mich ist Gerhard Richter ein Künstler, der es perfekt meistert mit Farben und Motiven anzusprechen und emotional zu bewegen, ohne dass es wirklich klar in Worte zu fassen ist, was nun seine Genialität ausmacht.

So oder so bin ich auf jeden Fall der Meinung, dass Richter nicht grundlos also einer der besten zeitgenössischen Künstler angesehen wird und ich möchte euch daher nicht nur die Ausstellung in Gent (die übrigens noch bis 18. Februar 2018 zu sehen ist) ans Herzen legen, sondern generell das Werk des Malers. Auch in Köln wird es beispielsweise 2018 wieder eine große Ausstellung im Museum Ludwig geben, in den Staatliche Kunstsammlungen Dresden gibt es sogar ein eigenes Gerhard Richter-Archiv, das sich intensiv mit seinem Leben und seiner Werksübersicht auseinandersetzt. In diesem Sinne: Gönnt euch mal wieder ein bisschen Zeit für Kunst!

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