Angst vor dem Glück

So wie der Mensch des 20. Jahrhunderts gelernt hat, dass er nach einem ganzen Tag im Büro regelmäßig etwas für seinen Körper tun muss, so wird der Mensch des 21. Jahrhunderts lernen müssen, dass auch die Seele Aufmerksamkeit und Pflege braucht. „Glücklich sein heißt, sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen“, erklärt der österreichische Psychiater und Neurologe Manfred Stelzig. Diese Aussage habe ich vor kurzem in einem Artikel gelesen, der mich seither beschäftigt.

Ich selbst zähle mich zu jenen Menschen, denen die eigene Ausgeglichenheit und innere Balance sehr wichtig ist. Glückliche Menschen verstärken mit ihrer Grundeinstellung ihr eigenes Glück. „Happy habits“ wird dieses Phänomen genannt. Das bedeutet natürlich nicht, dass bei mir immer alles positiv läuft, aber wenn mal etwas nicht funktioniert, sehe ich das als Lektion und bin bemüht es besser zu machen. Ich bin der Überzeugung, dass ich Glück verdient habe und bin bereit dafür an mir zu arbeiten und Situationen zu adaptieren. Bei unglücklichen Menschen läuft der Mechanismus genau andersherum. Tatsächlich begegnen mir auch in meinem eigenen Freundeskreis immer wieder Leute, die der Meinung sind Glück nicht zu verdienen. Damit führen sie ihr eigenes Unglück zumindest in gewissen Bereichen ihres Lebens herbei. Das ist leider ein Kreislauf, der sie nur in ihrer pessimistischen Einstellung bestärkt.

Laut wissenschaftlichen Studien setzen einige Menschen Glücklichsein mit einer gewissen Form von Faulheit gleich: Für sie ist Glück unmoralisch. Andere fühlten sich unwohl, wenn sie sich nicht ständig um etwas Sorgen machten. Wieder andere fürchteten, wenn sie sich über etwas sehr freuten, werde es ihnen wieder weggenommen. Die Furcht vor Freude am Leben sei mit dem Aberglauben verknüpft, „dass ein Mensch, der glücklich ist, mit etwas Negativem rechnen muss – quasi mit einer Bestrafung für das Glück“, weiß der bereits eingangs zitierte Manfred Stelzig: „Das kann ein Schicksalsschlag oder eine Krankheit sein, etwas, das unausweichlich Menschen, die gerade noch glücklich waren, im nächsten Moment auf eine harte Probe stellt.“

Als Cherophobie bezeichnet die Fachwelt die Angst vor dem Glücklichsein und die Furcht vor Heiterkeit. Gefühle der Freude werden präventiv unterdrückt und der Fokus auf Unzufriedenheit und Misserfolg gelegt. Manche Betroffene fühlen sich tatsächlich unwohl, wenn sie frei von Sorgen sind. Ich selbst habe immer wieder erlebt, dass es Menschen gibt, die gerade im Zuge einer Verliebtheit gar nicht zulassen sich auf den anderen Menschen, der ihre Gefühle durchaus erwidert, einzulassen, weil sie Angst davor haben, dass ihnen dieses Glück wieder genommen wird. Auch hier zeigt sich erneut ein Kreislauf: Denn in dem Moment, wenn sie sich vor einer Beziehung innerlich verschließen, ist diese bereits zum Scheitern verurteilt.

Daher möchte ich an dieser Stelle eine Sache unterstreichen: Glücklich sein kann man lernen! Nehmt euch Zeit für euch selbst, findet etwas, wodurch ihr euer Gleichgewicht findet, freut euch über die kleinen Dinge im Leben und was die Angst vor Glück in Beziehungen betrifft: Mögt euch selbst, dann werdet ihr auch verstehen, warum euch andere ebenso attraktiv finden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s